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Johannes Martin Kränzle as Beckmesser
© Enrico Nawrath


Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg, Bayreuther Festspiele 2019
(I: Kosky, D: Jordan)

Hamburger Abendblatt:
Johannes Martin Kränzle stemmt als Beckmesser einen stimmlichen und darstellerischen Balanceakt, denn sein Merker ist Getriebener und Treiber zugleich, Opfer und Anstifter, ein Ecce homo, über den man sich ärgert und der einen in seiner anmaßenden Verwundbarkeit dauert. Das ist eine herausragende Leistung.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung:
Aber die beiden werden in den Schatten gestellt von zwei Sängerpersönlichkeiten, vor denen man anbetend niederknien möchte: Michael Volle als Hans Sachs und Johannes Martin Kränzle als Beckmesser, Wunder an Einfühlung und Differenzierung und nicht zuletzt exemplarischer Textverständlichkeit. Ein wundersames Zeichen von Kränzles Kunst ist es, dass man über seinen Beckmesser nicht lacht – nicht weil er sich nicht aufs Komische verstünde (so wie die ganze Inszenierung mitunter furchtbar komisch ist), sondern weil einem das Lachen sonstwo steckenbleibt vor Mitfühlen und Beklemmung.

Der Standard:
Johannes Martin Kränzle gibt den vielschichtigsten Beckmesser, den man sich nur vorstellen kann, voller Verliebtheit und Verschlagenheit, Opfer, Täter, Projektionsfläche der Aversionen und auch Sympathieträger inmitten eines ideal interagierenden Ensembles.

Der Tagesspiegel:
Michael Volle als Sachs/Wagner und Johannes Martin Kränzle als Levi/Beckmesser verkörpern die Partien ihres Lebens. Beide sind sie Menschen und Monster. Der eine Toleranz predigend, aber in den eigenen Ressentiments verstrickt: ein zerrissener Künstler aus der Mitte der Gesellschaft, um deren Liberalität es ja auch heute nicht gut bestellt ist. Der andere als das Opfer, erschütternde Veitstänze tanzend. Wie Kränzle zwischen Überanpassung und brutaler Erniedrigung, Liebedienerei und dem Schmerz eines von allen Gehassten laviert, ist unübertrefflich.

Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Und von Johannes Martin Kränzle als Levi-Beckmesser wird das unschlagbar auf die Bühne gebracht: professoral betulich, dass man es komisch und liebenswert zugleich finden muss, einen Außenseiter spielend, der nach Anerkennung trachtet und doch erfüllt ist von Stolz.

Mainpost:
Da ist die traurige Komik der Anmaßung (wie immer ein großartiger Beckmesser: Johannes Martin Kränzle)

WDR:
Barrie Kosky will erklärtermaßen den Antisemitismus in den "Meistersingern" freilegen. Den erkennt er in der Figur des Beckmesser und macht sie zum Opfer. Aber da auch Kränzle ein großer Künstler ist und immer prägnant singt, ist er keine lächerliche Figur und erweckt nicht nur Mitleid, sondern auch Sympathie, denn er vermittelt, dass es so wie ihm uns allen ergehen könnte. Mit seinem beweglichen Bariton ist er bei Wagner auf zwiespältige Rollen festgelegt, wie Alberich, Amfortas, Gunther oder Klingsor. Kränzles Figuren wirken nie finster, sondern strahlen immer Intelligenz aus, beim Don Alfonso in Mozarts „Così fan tutte“ genauso wie bei der Figur des Valens in Händels Oratorium „Theodora“ oder der Titelfigur in Wolfgang Rihms „Dionysos“, also alles vom Barock bis zur Avantgarde, und das merkt man bei ihm auch bei Wagner.

BR Klassik:
Beispielsweise Johannes Martin Kränzle und Michael Volle, die sich als Beckmesser und Sachs hinreißend auf die Nerven gehen. Kränzle etwa gestaltet so seine Partie emotional und vielschichtig und spielt den Außenseiter Hermann Levi alias Beckmesser so intensiv, dass er zum verschrobenen Sympathieträger wird, mit dem man mitleidet.

Augsburger Allgemeine:
Johannes Martin Kränzle mit einer sängerdarstellerischen Charakterstudie der Extraklasse.

Braunschweiger Zeitung:
Ein spielfreudiges Ensemble besticht mit dem auch stimmlich brillant charakterisierenden Johannes Martin Kränzle als Beckmesser.

Neue Musikzeitung:
Bei der Applausordnung zu Recht an die zweite Stelle der Interpreten gerückt wird Sixtus Beckmesser, den Johannes Martin Kränzle zu einem liebenswert fesselnden Psychogramm des jüdischen Dirigenten Hermann Levi formt, der in Koskys Inszenierung diese Partie von Wagner oktroyiert erhält. Kränzle zeichnet den Merker mit bisweilen jiddelnder Diktion, mit Tanzschritten und Bockssprüngen als eine echte Hauptpartie.

Mittelbayerische Zeitung:
Beckmesser, humpelnd nach der Schlägerei, verletzt mit Arm in der Schlinge und dem rechten Zeigefinger im Gips, wird zur Inkarnation jüdischer Klischees. Er wird grandios von Johannes Martin Kränzle gesungen und gespielt, in dieser Art als Slapsticknummer für Bayreuth immer noch ein Novum. Beckmesser von skurril liliputisierten Juden mit Masken verfolgt, jagt sie weg, er will damit nichts zu tun haben und gleichzeitig entfaltet sich in einem riesigen Ballon sein Gesicht als holzschnittartig jüdische Karikatur mit Hakennase. Atemlose Stille macht die allseitige Betroffenheit spürbar.

Neue Osnabrücker Zeitung:
Gemobbt, geprügelrt, ausgegrenzt: Sixtus Beckmesseer (der überragende Johannes Martin Kränzle) bekommt nur Spott und Sarkasmus ab.

Bachtrack:
Johannes Martin Kränzle not only sang but acted Beckmesser’s part superbly.

Limelight (Australia):
Most moving of all is characterful German baritone Johannes Martin Kränzle’s buffoon-like Beckmesser in once again withstanding the ridicule served on him to the extent that tears were shed for the injustice he receives.

Olrynx:
Johannes Martin Kränzle fait oublier les limites techniques de son Beckmesser pour se livrer corps et âme à la direction d'acteur volubile que lui impose la mise en scène tandis.

IOCO Kultur:
Als Levi/Beckmesser lieferte Johannes Martin Kränzle eine grandiose Leistung. Diese komplexe Figur wird von Kränzlemit allen denkbaren Facetten ausgestattet, vielschichtig in der Darstellung des gedemütigten Juden, als auch in der Überheblichkeit seiner vermeintlichen Kunstausübung, aber nie karikierend. Eine tragische Gestalt, ein Außenseiter, der in seiner eigenen Regelwelt gefangen bleibt. Kränzle singt ihn mit seinem edlen, weichen Bariton subtil und facettenreich, höhensicher, mit präzisen Koloraturen im Ständchen.

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