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Johannes Martin Kränzle as Don Pasquale at Oper Zürich
(c) Oper Zürich

Donizetti: Don Pasquale, Opernhaus Zürich 2019
(I.Loy, D: Mazzola)

Tagesanzeiger:
Kein Wunder, schmilzt der alte Don Pasquale bei dieser Ankündigung weg vor Wonne, man sieht es ihm an: Wie er ans Herz greift, um dessen Galopp zu bremsen, wie er strahlt, bis es ihn schmerzt in den Mundwinkeln. Dann hilft nur noch der Griff nach dem Taschenkamm. Wenn er schon seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat, dann doch wenigstens die paar Haare um die Glatze, die ihm die Kostümbildnerin Barbara Drosihn verpasst hat. Spätestens in diesem Moment weiss man, dass Gaetano Donizettis «Don Pasquale» an diesem Abend mehr sein wird als der übliche Schwank. Ein Theaterfest nämlich, eine feinsinnige, zutiefst menschliche und dennoch sehr lustige Komödie. Dieser Don Pasquale begnügt sich nicht damit, den Trottel zu geben. Zeremonienmeister ist Christof Loy, also einer jener Regisseure, die aus ihren Darstellern alles herauszuholen verstehen, was drinsteckt. Und in Johannes Martin Kränzle, der hier erstmals den Don Pasquale gibt, steckt viel: Er ist ein grossartiger Sänger, ein ebensolcher Schauspieler – und eine erfreulich untypische Besetzung für diese Rolle. Denn er ist nicht Bass, sondern Bariton. Nicht dick, sondern schlank. Und vor allem begnügt er sich nicht damit, den Trottel zu geben. Das tut er zwar auch, mit Hingabe. Don Pasquales Geiz, sein Kontrollwahn, seine Wutanfälle: alles da, exakt nach Libretto. Und wenn Kränzle hämisch fistelt oder selbstverliebte Kantilenen schnulzt, wenn seine Stimme bebt vor lauter Schlaumeierei oder sich fast überschlägt im Schnellsprechfuror, dann ist das so lustig, wie es nur sein kann. Aber man sieht auch die Einsamkeit dieses Mannes, der da so allein in seinem grauen Salon sitzt, den Johannes Leiacker für ihn gebaut hat. Und man spürt seine Hoffnung, dass er mit dieser Braut nicht nur dem Neffen eins auswischen kann, sondern tatsächlich sein Glück findet. Man würde es ihm gönnen, wirklich.

Opernwelt:
Enrique Mazzola bürstet am Opernhaus Zürich Donizettis „Don Pasquale“ auf, mit dem famosen Johannes Martin Kränzle in der Titelrolle. Dieser Hausherr nun- er ist das Wunder einer Bühnenfigur. Johannes Martin Kränzle, den man gewiss nicht als einen der italienischen Tradition entstammenden Sänger bezeichnen kann, beherrscht sein Metier perfekt. Fabelhaft in der Diktion, selbst im rasenden Parlando, formidabel in der stimmlichen Wandelbarkeit und ungeheuer kräftig in der szenischen Präsenz, bleibt der Hagel stolz mit der Buchhalter – Tonsur, dem unablässig hervorgezogenen, nach Gebrauch jeweils fein säuberlich durch pusteten Taschenkamm, dem Anzug, der aus dem Kleiderschrank von Jacques Tatis Hulot kommen könnte- bleibt dieser in die Jahre gekommen der Junggeselle der Fixstern des Abends. Zumal dann, wenn ihm besonders übel mitgespielt wird.

Das Opernmagazin:
Was für ein Glück für Zürich, mit Johannes Martin Kränzle, einen schlicht umwerfenden Don Pasquale auf der Bühne zu haben. Selten wird diese Partie derart authentisch dargestellt und gesungen. Kränzle kann alle Facetten dieses Mannes aufleuchten lassen und ist gesanglich und schauspielerisch überzeugend. Ein perfekt gelungenes Rollendebut.

Deutschlandfunk:
In der Titelpartie debütierte der Bariton Johannes Martin Kränzle und demonstrierte damit einmal mehr seine sängerische Vielseitigkeit auch in diesem italienischen Fach. Manch rasendes Rossini-Parlando, das sich immer wieder noch bei Donizetti findet, schien ihm nicht die geringste Mühe zu bereiten. Er berührte mit seinem warmen ausgeglichenen Timbre, seiner technischen Souveränität, seiner geschmackvollen Balance von Komik und Ernst, und besonders mit seinem schauspielerischen Esprit. Er mimt einen vornehmen älteren Herrn mit spärlichem Haarkranz, der zwangsläufig ins Clowneske driftet angesichts der unerwarteten Wendung in seiner allzu schnell geschlossenen Ehe.

Bote/ Swissinfo:
Johannes Martin Kränzle zeigt einen Don Pasquale weitab vom liebestrunkenen alten Trottel: Zwischen Herzversagen und aufschäumender Libido durchlebt er eine emotionale Spanne, die der Figur tiefe Menschlichkeit verleiht. Hinreissend wie er und Malatesta die drei Salven der fast hundert Sechzehntelnoten auf dem gleichen Ton C losfeuern. Jede Geste, jeder Blick, jeder Gang dient - selbst wenn es um Verstellung und Trug geht - der Wahrheit. Buffoneske Komik fehlt nicht, wird aber ironisch verfeinert und hochpräzis eingesetzt. So wird denn auch die drastische Ohrfeige, die die zur Furie mutierende Norina Don Pasquale verpasst, zum Dreh- und Angelpunkt in dieser existentiellen Tragikomödie: eine irreversible Verletzung, die weit über den Komödienklamauk hinausreicht.

Neue Zürcher Zeitung:
Loy zeichnet Don Pasquale als differenzierten Charakter, dessen Probleme und Nöte durchaus ernst zu nehmen sind. Als Don Pasquale wollte er unbedingt den vielseitigen Bariton Johannes Martin Kränzle haben... Sein helles und modulationsfähiges Timbre hilft ihm, den vielschichtigen Charakter Pasquales in all seinen Schattierungen umzusetzen. Und er mimt eben gerade keine Karikatur, sondern einen –heutigen – Mann in den nicht mehr allerbesten Jahren.

Der neue Merker:
Don Pasquale, in der Verkörperung durch den feinen Menschendarsteller Johannes Martin Kränzle, ist hier nicht der Dickwanst mit der Stereotypie des Dümmlichen, sondern ein in seiner Einsamkeit gefangener alter Mann. Bezeichnend, wie er sein Joghurt löffelt, ganz reduziert auf seine eigene Erbärmlichkeit. Eifersüchtig ist er auf seinen Neffen Ernesto, den er enterben will. Johannes Martin Kränzle ist ein fabelhaft feinsinnig gestaltender und tadellos singender Hagestolz.

SRF:
Das Publikum hat ihn schon lange ins Herz geschlossen. Denn so wie Johannes Martin Kränzle singt und spielt, ist Don Pasquale kein alter Trottel. Er ist zwar sicher geizig, aber eigentlich ganz liebensweit und vor allem sehr, sehr einsam.

Südkurier:
Johannes Martin Kränzle spielt ihn glaubhaft als ungelenken, mehr einsamen als draufgängerischen Mann mit Glatze und Haarkranz (Kostüme: Barbara Drosihn), der am Schluss zerknirscht einsehen muss, dass er sich gegen die geballte Jugend nicht mehr durchsetzen kann.

Tagblatt (St. Gallen/ Aargau):
Die Darsteller (vor allem Johannes Martin Kränzle und Julie Fuchs) sind zum Niederknien, Bitte, keine Umstände, meine Herren! Zumal auch das blonde Ding, das auf der Bühne des Opernhauses Zürich unter ihrem züchtigen Schleier zu Don Pasquale hochblinzelt, so entzückend ist, dass dem leicht ergrauten Bräutigam (umwerfend komisch: Johannes Martin Kränzle) vor lauter Aus-dem-Häuschen-Sein die Brust schwillt – und nicht nur diese.

Schwäbische:
Musikalisch wartet die Zürcher Produktion mit sensationellen Leistungen auf. Kränzle ist ein brillanter Pasquale.

Oper aktuell:
Sowohl Johannes Martin Kränzle (Don Pasquale) als auch Julie Fuchs als Norina (beide übrigens mit Rollendebüts) faszinieren mit ihrem unendlich variantenreichen Spiel, mit Ausdrucksnuancen, die man nur ganz selten so intensiv auf der grossen Opernbühne erleben darf. Diese beiden allein schon lohnen den Besuch der Aufführung. Selbstredend gestalten sie auch musikalisch ihre Partien mit Verve, Furor und begeisternder Virtuosität. Johannes Martin Kränzle bleibt der Titelfigur nichts an differenzierter Ausdruckskraft schuldig. Er kann sich lausbübisch über seine vermeintlichen Finten freuen, sich mit rasender Präzision in das Ratter-Duett mit Dr. Malatesta (Konstantin Shushakov) stürzen, wo die beiden sich die Textzeilen in schwindelerregenden Tempo nur so um die Ohren hauen.

Opera Gazet (Niederlande):
German Baritone Johannes Martin Kränzle proved to be a superb cast for the title role. His performance was full of wit and heart, while his powerful and at the same time soft sounding baritone was an ideal cast for that stingy older bachelor. Fantastic was his treatment of the Italian text.

P.S. Die linke Zeitung Zürich:
Johannes Martin Kränzle in der Titelpartie entwickelt seine tragische Komik aus einer großen Ernsthaftigkeit.

Opera !
Johannes Martin Kränzle blüht in seinem Debüt als liebeskranker Single auf. Der Mann mag zwar die hagere Gestalt eines Don Quichotte haben, seine Bühnenpräsenz als unglücklicher Hagestolz ist aber derart charismatisch, dass sie ohne weiteres den Raum füllt. Kränzles klangvoller Bariton hat die Reife eines edlen Burgunders, und er schafft es locker, im letzen Ton eine Silbe von Buffo- Geplapper dranzuhängen. Hier mischen sich Grandezza und Perfektion auf wundersame Weise. Sein Don ist ein verirrter Herzritter von trauriger Gestalt, der mit seinen vorgerückten Lenzen das ABC der Liebe nicht in Ansätzen begreift.

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