k r i t i k e n   . .   m u s i k t h e a t e r

 

 

 


Johannes Martin Kränzle as Don Alfonso with Lea Desandre (Despina)
(c) Monika Rittershaus /Salzburger Festspiele


Mozart: Cosi fan tutte, Salzburger Festspiele 2020 (I: Loy, D: Mallwitz)

Frankfurter Allgemeine Zeitung:
An diese Produktion von „Così fan tutte“ wird man lange denken. Sie ist ein Glück, ein Wunder, ein Fest, so wie Wolfgang Amadeus Mozarts „Figaro“ in der Regie von Claus Guth und unter der Leitung von Nicolas Harnoncourt es 2006 gewesen war. Damals gelang Christine Schäfer als Cherubino – zart, zerbrechlich, liebesfiebernd – ein Rollenporträt von epochalem Rang, mit dem sie die Statik des Stücks umwuchtete; dieses Mal gelingt das Johannes Martin Kränzle als Don Alfonso. Schon als Beckmesser in Barrie Koskys Bayreuther Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ hatte sich Kränzle als überragender Darsteller erwiesen, der das singende Schauspiel auf filmische Intimität, Präzision und Sparsamkeit zu bringen verstand. Nun kehrt er von Wagner zu Mozart zurück und erschüttert sein Publikum mit der Charakterzeichnung eines Mannes, der als Zyniker und Frauenfeind gilt, weil er seine Freunde Guglielmo und Ferrando zum Partnertausch anstiftet, um die Untreue ihrer Verlobten Dorabella und Fiordiligi zu beweisen. Aber Kränzle gibt nicht den Zyniker. Er kann – wie Rolf Hoppe in seinen besten Momenten – einen Blick aufsetzen, der seelische Grausamkeit mit tiefer Trauer verbindet. Dieser Don Alfonso ist ein Melancholiker, der weiß, dass Menschen nicht durch Wissen klug werden, sondern nur durch Schmerz. Sein Blick auf die schlafenden Frauen ist der eines uneigennützig Liebenden, fast eines Vaters oder Arztes. Sein illusionsloses Mitleid mit den Menschen nimmt die Haltung Anton Tschechows vorweg. Bei der triumphierenden Devise „Così fan tutte“ (So machen es alle Frauen) versteinert sein Gesicht in Bitterkeit; seine Stimme singt zur Handlung immer ihren eigenen Kommentar mit: Man kann hören, wie Mozarts Denken sich in Gesang verwandelt. Durch Kränzle wird diese Komödie der geprüften Herzen zu einer Studie über die Traurigkeit, recht zu behalten.

Süddeutsche Zeitung:
Christof Loy erklärt nichts. Er lässt den zwielichtigen Liebeslehrer Alfonso einfach sein Experiment mit dem Partnertausch machen. Was hat der Alte überhaupt bei den Jungen zu suchen? Ist er ihr Hauslehrer, aufs Geld angewiesen, ein Sadist, ein Altruist, ein gescheiterter Casanova, ein Aufklärer, ein abgewiesener, von den Frauen enttäuschter Liebhaber? Johannes Martin Kränzle gibt seinem Alfonso von all dem etwas mit, ohne sich auf eine Rolle festzulegen, ohne etwas aus dessen Leben zu verraten. Alfonso hat Mühe, mit den Jungen im Spieltempo mitzuhalten. Aber er will noch einmal jung sein. Seine So-sind-Frauen-Songs werden immer bitterer, da singt ein Betroffener. Kränzles Alfonso würde gern widerlegt werden. Aber das Liebeswechselspiel der Jungen bestätigt nur wieder einmal seine Thesen. Dieser Mann ist eine tragische Figur, dem zuletzt nur mehr die Vernunft bleibt. Aber, das weiß jeder vernünftige Kunstliebhaber, die Vernunft ist in der Kunst nur ein kalter und somit wertloser Trost.

Neue Musikzeitung:
Als Don Alfonso diese Verwandlung herbeiführt, bekommt sein Spielmacher eine Shakespearsche Dimension. Der Erzkomödiant Johannes Martin Kränzle ist dafür eine Idealbesetzung.

Salzburger Nachrichten:
Der Augenblick von der “aura amorosa” beispielsweise, der dem Drahtzieher des Liebes- und Lebensexperimentes, Don Alfonso, für Momente Tränen in die Augen treibt, weil er sich wohl an den eigenen, längst verwehten, entschwundenen “Liebeshauch” erinnern mag. Deswegen, will er, Lehrmeister der “Schule der Liebenden”, wie der zweite Titel von Mozarts Oper heißt, zwei jungen Paaren zeigen, wie sie sich zu ihren Gefühlen verhalten sollen, um “echt” leben zu können: kein Zyniker, sondern ein erfahrener Mensch. Johannes Martin Kränzle singt und spielt das auf beklemmende und doch spielerisch locker animierte Art grandios lebenswahr.

Der Standard:
Doch auch Don Alfonso (sehr subtil Johannes Martin Kränzle), vielleicht so eine Art Mix aus Professor und würdevoll gealtertem Don Giovanni, unterschätzt, in welche Regionen der Selbstzweifel und Tiefen der Ernüchterung (bezüglich der Dauerhaftigkeit von Gefühlen) das Spielchen führen wird.

BR- Klassik:
Aus der Reihe tanzt naturgemäß nur der lebenserfahrene Don Alfonso. Der hinreißende Johannes Martin Kränzle legt ihn zwischen Nonchalance und echtem Mitleid mit seinen Probanden als ambivalente Figur an: Von Anfang an sieht er das Unheil kommen.

Münchner Merkur:
Johannes Martin Kränzle, der als Don Alfonso nicht nur souveräner Spielmacher ist, sondern das Treiben der Paare mit Skepsis, zunehmender Verzweiflung und Derangierung beobachtet – und all dies mit einer Überfülle von vokalen Nuancierungen begleitet.

TAZ:
Johannes Martin Kränzle ist ein endlich mal nicht eindimensional zynischer Don Alfonso.

Bachtrack:
Johannes Martin Kränzle’s quick-tempered, wiry-toned Don Alfonso – the opera’s manipulator-in-chief – soon becomes despondent that his experiment is going to cause so much turbulence, making one wonder why he proposed it in the first place.
Especially Bogdan Volkovs (Ferreando) heartfelt “Un’aura amorosa” during which Kränzle’s Don Alfonso welled up in tears. Why is he going through with this charade? I bet this Alfonso’s got an interesting back story.

Neue Zürcher Zeitung:
Loy nämlich kennt kein Erbarmen mit seinen Figuren, diesen naiven jungen Leuten, die da von dem alten Zyniker Don Alfonso – der überragende Johannes Martin Kränzle als ein am Ende selbst gründlich demontierter Conférencier – zum Partnertausch verleitet werden.

Der Tagesspiegel:
In diesem strahlend weißen Raum liegen zu Beginn nur zwei Paar eilig abgestreifte Pumps, die Don Alfonso (mit lichtem Mozart-Ton: Johannes Martin Kränzle) nachdenklich betrachtet.

Abendzeitung München:
Johannes Martin Kränzles Don Alfonso ist der perfekte Spielmacher, der mit Täuschungskunst und sehr italienischer Körpersprache das böse Spiel lenkt, das Loy wie üblich doppelbödig enden lässt, ohne das zu forcieren.

Hamburger Abendblatt:
Johannes Martin Kränzle untertreibt und trifft damit den Wesenskern besser als durch Überzeichnung.

Wiener Zeitung:
Johannes Martin Kränzle gibt den Don Alfonso als leutseligen Sir.

Westfälische Nachrichten:
Charakterbariton Johannes Martin Kränzle bildet als Don Alfonso, der den beiden Herren den Test ihrer Liebsten als Wette aufgeschwatzt hat, die souveräne Klammer des Spiels. Salzburg jubelt zurecht.

El Pais (Espana):
Johannes Martin Kränzle, que podría ser el padre de todos ellos, ha dado infinitas muestras de sabiduría actoral y maestría vocal, quizá con el soberano Beckmesser de la ultima produccion en Bayreuth de Los maestros cantores como punta de lanza. Tampoco él retuerce la comicidad del personaje y posee el instrumento perfecto para infundir autoridad y experiencia a Don Alfonso.

Die deutsche Bühne:
Stimmlich und als Komödiant grandios ist natürlich Johannes Martin Kränzle als Don Alfonso, der nicht nur die mädchenhafte Despina Lea Desandre (ver-)führt. Er weiß zwar längst viel mehr über das Leben und die Liebe als seine jungen Freunde, aber auch Kränzle hat seine ambivalenten Augenblicke. Man fragt sich schon, warum er Guglielmo so nahe kommt, dass der ihn einmal brüsk zurückstößt.

Klassik begeistert:
Der Strippenzieher der verhängnisvollen Wette, Don Alfonso, hat in Johannes Martin Kränzle einen Darsteller, der auch die Nachdenklichkeit und Traurigkeit des alten Zynikers abzubilden weiß. Mit seiner warm timbrierten Stimme schafft er quasi den sonoren Unterbau für die Ensembles.

Decotidien:
Johannes Martin Kränzle, comme Don Alfonso n'est pas seulement souverain, le Meneur de jeu, mais le parcours des Couples avec Scepticisme, l'augmentation de Désespoir et de Derangement d'observer, et tout cela avec une Profusion de voyelles Nuances accompagne.

Die Welt:
Der beste Salzburger Mozart seit Jahrzehnten.
...Dazu der Trockene Sarkasmus Alfonsos, der mit den Liebhebern die fatale Wette beschlossen hat… Ein Sing-Spielsextett der überirdischen Art. Das ist die selten gewordene Tugend der Kontinuität, die jetzt ein vollkommenes Mozart-Ensemble möglich macht.; vom zusehens ob der eigenen nihilistischen Idee bestürtzen Don Alfonso des in kleinen Gesten so großen Johannes Martin Kränzle abgerundet.

Augsburger Allgemeine:
Schließlich Johannes Martin Kränzle als Don Alfonso: Endlich mal kein überlegen-misogyner Unsympath, sondern ein in gelassenem Parlando weise die Strippen ziehender Menschenfreund– obendrein selbst dem Irdischen nicht abgeneigt, so wie er Despina (Lea Desandre) am Ende hinterhereilt.

Opera Online:
Bogdan Volkov als Ferrando gelingt die Arie: „Un aura amorosa“ wunderbar. Und zwar so schön, dass es Don Alfonso Tränen in die Augen treibt, möglicherweise weil er sich an seine entschwundene Liebe erinnert. Johannes Martin Kränzle singt ihn als kraftvollen Strippenzieher.

Forumopera:
Avec une distribution épatante Johannes Martin Kränzle, Don Alfonso, sans cynisme, ami des jeunes.

Die Opernrezension:
Der Don Alfonso von Johannes Martin Kränzle ist endlich ein nicht alter Zyniker, sondern ein eleganter, virtuoser, tänzerischer und geistreicher Frauenversteher. Er trägt viele autobiographische Züge von Mozarts Dichter Lorenzo da Ponte.

Opera actual:
Johannes Martin Kränzle encarnó a un imponente Don Alfonso

Musicalamerica:
Johannes Martin Kräzle, excellent as a Don Alfonso without puffery or cynical flourishes.

Der Freitag:
Nichts ist mehr vom Zynismus der auf den Treuebruch ihrer Frauen wettenden Männer und ihres Anstifters Don Alfonso (hinreißend gespielt und gesungen von Johannes Martin Kränzle) zu spüren. Niemand betrügt. Alle Gefühle sind echt, selbst die falschen.

The Times(UK):
The power play that ensues is a wake-up call to both sets of couples, but with the judicious cuts to the score favouring the women, it’s they who start calling the shots, a switch overseen by a desolate Don Alfonso (Johannes Martin Kränzle, excellent). Throwaway lines are deeply felt. When the naive Despina (a pure-voiced Lea Desandre) argues that “it’s no longer love when it becomes troublesome”, Alfonso’s bleak reaction confirms how far from the truth that is: love is messy, difficult, painful. Fiordiligi (Elsa Dreissig), Dorabella (Marianne Crebassa) and Don Alfonso (Johannes Martin Kränzle) made a highlight of the famous trio Soave sia il vento..

Frankfurter Rundschau:
Don Alfonso aber, Johannes Martin Kränzle, ist das darstellerische Zentrum in Loys Geschichte, in der sich dabei eigentlich keiner recht um ihn kümmern mag. Seinen Bariton lässt er empfindlich, verletzlich klingen.

Klassikfavori:
Selbst ein Don Alfonso (Johannes Martin Kränzle) ist hier nicht zynischer Drahtzieher, sondern mittelalterlicher Mann mit Erfahrung, der sich bewegt seiner eigenen Jugend erinnert und den Tränen nahe ist, wenn Ferrando mit traumhaft schön schwebendem Tenorglanz sein bewegend liebevoll ätherisches „Un aura amorosa“ anstimmt.

Operatraveller:
Kränzle was undoubtedly the anchor for the staging, his characterful, grainy and slightly acidic baritone sang with the text, bringing out meaning and encompassing all the facets of his character’s personality, both the glee in his scheming and the regret when he realized that he had gone too far... Certainly, all credit to the festival for giving us what is a thought-provoking staging with strong performances from Kränzle and Schuen.

Theaterwelten:
Überhaupt Johannes Martin Kränzle als feinfühlender Strippenzieher! Berührend. Stark.

Die Presse:
Desto tiefer dringen die Blicke, die Loy in diese Versuchsanordnung wirft. Johannes Martin Kränzle hat als grapschender Don Alfonso eben noch mit zittriger Hand Krokodilstränen zerdrückt, wenn er den Schwestern die Einberufung ihrer Verlobten meldet – doch dann weint er wirklich, wenn Bogdan Volkov (Ferrando) in „Un aura amorosa“ mit langem Atem und Legatokultur von echter Liebe singt: über einen unsagbaren Verlust.

IOCO:
Der einzige erfahrene Bühnenmeister im jungen Solistenensemble war Johannes Martin Kränzle – ein wunderbarer Sänger und Schauspieler, ein Star nicht nur für Salzburg, sondern auch für Bayreuth. Leider gelang es mir nicht, die Essenz seines Protagonisten in dieser Produktion zu enträtseln, um die Frage zu beantworten, warum er immer mit Tränen in den Augen einen Witz über junge Liebende machte und sie zur Untreue aufrief. Ob diese Antworten dem Interview mit dem Regisseur oder dem Programmheft zu entnehmen sein werden? Kränzles Stimme- und Bühnen-Präsenz waren so einzigartig, dass sein Don Alfonso als neue Referenz bei der Interpretation dieser Rolle gelten sollte.

Feuilletonscout:
Johannes Martin Kränzle gibt einen erfahrungs- und stimmsatten Don Alfonso, dessen pessimistische Sicht auf die sexuelle Treue sich am Ende als die richtige erweist.

Giornale dell Musica:
Più convincente e il comparto maschile, per il Don Alfonso poco cinico e molto umano reso con la solita classe da Johannes Martin Kränzle.

Orpheus:
Johannes Martin Kränzle glänzte als ein warmer, klangschöner Don Alfonso im coolen Dandy- Stil.

Mittwochs um Zwölf:
Ausgezeichnet gelang dies auch dank der entschiedenen Steuerung des Experiments durch Johannes Martin Kränzle, der einen keineswegs altersweisen, sondern durchaus lebensbezogen fordernden Don Alfonso gab.

Die deutsche Bühne (2. Kritik):
Das intellektuelle Zentrum dieser epochalen Aufführung ist Johannes Martin Kränzles Don Alfonso, der hier endlich einmal kein kalter Zyniker ist, sondern ein lebenskluger, mitfühlender Mentor, der den jungen Liebenden ihre schmerzreichen Lektionen nicht ersparen kann.

Opernwelt:
Und eine so springfreudig- sprühende, lebensschlau- gewitzte Despina wie Lea Desandre, geschweige denn einen so anrührend alterweisen, in seiner erfahrungstrunkenen Einsamkeit so herzergreifenden Don Alfonso wie Johannes Martin Kränzle hat man wohl noch nie gesehen.

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